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 Gegentreffer fünf Sekunden vor Schluss
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17. August 2010  | Von Dirk Winter


Radball: Rüsselsheim verliert deutschen Meistertitel an Bramsches Reserve, hat aber viel Spaß - Manchmal Kopfballtreffer

 
 
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Mit Köpfchen spielten Christian Angermair und die Radballer des RMSC Rüsselsheim, aber bei den deutschen Rasen-Meisterschaften der Sechsermannschaften wurde der Titelverteidiger nur Dritter.

Foto: Uwe Krämer

 

Es lief nicht. Die Noppenreifen auf den Hinterrädern gaben zwar Halt. Aber der vom Regen aufgeweichte Boden bremste, und jeder Tritt in die Pedale kostete viel Kraft. Aber auch sportlich lief es nicht so recht beim Titelverteidiger. Eine Wiederholung des Vorjahrestriumphs, als der RMSC Rüsselsheim die deutsche Meisterschaft im Sechser-Rasenradball gewonnen hatte, rückte schon am ersten Turniertag in weite Ferne.

Im Rüsselsheimer Stadion lag das Gastgeberteam, unter dem Motto ,,Mission Gold" angetreten, fünf Punkte hinterm Führungsduo. Am zweiten Tag reduzierte der RMSC den Rückstand. Aber letztlich reichte es nur für Rang drei - vier Zähler hinter dem neuen Meister, RKB Bramsche II, und drei Punkte hinterm zweitplatzierten RKB Bille-Hamburg.

Dabei hatte das Turnier doch so verheißungsvoll für die Rüsselsheimer begonnen: Dreimal gespielt, ebenso oft gewonnen. Auch in der Begegnung mit dem RKB Bischberg führte das RMSC-Sextett, um Sekunden vor Spielende den Ausgleich zum 1:1-Endstand zu kassieren.

Noch ärger traf es den Titelverteidiger in seiner Auftaktpartie des zweiten Turniertags, ein bis fünf Sekunden vor Schluss torloses Spiel - dann kassierten die Rüsselsheimer den entscheidenden Gegentreffer.

RMSC-Sprecher Frank Seibel bedauert, dass es die Mannschaft jeweils versäumt habe, des Gegners letzten Angriff durch ein taktisches Foul zu unterbinden. Fatale Versäumnisse: ,,Allein in diesen beiden Spielen", sagt RMSC-Vorstandsmitglied Helge Martin, ,,haben wir vier Punkte verloren."

Im letzten RMSC-Auftritt am Samstag, da die Gastgeber eine 0:4-Niederlage gegen Bramsche II kassierten, offenbarten sie zudem konditionelle Schwächen. Eine Frage des Alters? Außer dem 38 Jahre alten Steffen Wulle und dem erst fünfzehnjährigen Benjamin Heinrich sind alle RMSC-Spieler, nämlich Hans-Peter Barth, Bernhard Soltau, Andreas Kreim, Andreas und Christian Angermair, Oliver Wulle und Michael Ritter, wenigstens 40 Jahre alt.

Aber Routine kann sich im Radball bezahlt machen, wie die zweite Bramscher Mannschaft bewies. Am Ende lag der spätere Meister weit vorm ersten Team der Niedersachsen, das aus jungen Spielern bestand.

Obwohl die Rüsselsheimer den D-Jugend-Fußball, mit dem beim Rasenradball gespielt wird, weniger häufig in Gegners Tor unterbrachten als erhofft: Spaß hatten sie auf dem 60 Meter langen und 40 Meter breiten Spielfeld trotzdem, versichert Seibel. Das liege schon allein am Spiel an sich.

Diese aus der Mode geratene Variante des Radballs, auf Meisterschaftsebene nur noch von wenigen Vereinen des Rad- und Kraftfahrerbunds Solidarität betrieben (so wenige, dass es keine DM-Qualifikationsrunden gibt), bietet im Vergleich zur üblichen Zweier- oder Fünfer-Version außergewöhnliche Möglichkeiten:

Der Ball ist weniger schwerfällig, kein Wunder, ist er doch gegenüber der sonst benutzten, rosshaargefüllten Kugel, die 500 bis 600 Gramm wiegt, ein Drittel leichter. Das wirkt sich nicht nur auf die Ballbehandlung, sondern auch auf die Spielweise aus.

Wie beim Fußball, stürmen Spieler über die Flügel, flanken den Ball hoch vors vier Meter breite und 2,25 Meter hohe Tor, wo die Kugel zuweilen mit der Stirn ins Netz gedrückt wird. Der Rosshaarball dagegen ,,ist so hart", sagt Seibel, ,,da überlegt man sich zweimal, ob man sich wirklich einen Kopfball antun will."

Samstag:

RMSC Rüsselsheim - RSV Jänkendorf 2:0, RMSV Düsseldorf - RKB Bille-Hamburg 0:4, RSV Bramsche I - RSV Bramsche II 0:2, RKB Bischberg - RKB Gaustadt 0:1, Hamburg - Jänkendorf 1:0, RSV Niederseifersdorf - Düsseldorf 3:0, Bramsche II - Gaustadt 3:2, Rüsselsheim - Bramsche I 1:0, Niederseifersdorf - Hamburg 1:2, Jänkendorf - Düsseldorf 5:0, Rüsselsheim - Gaustadt 2:1, Bischberg - Bramsche II 0:1, Niederseifersdorf - Jänkendorf 1:1, Hamburg - Bischberg 1:0, Bramsche I - Jänkendorf 1:3, Niederseifersdorf - Gaustadt 1:4, Rüsselsheim - Bischberg 1:1, Düsseldorf - Bramsche II 0:2, Gaustadt - Hamburg 0:4, Niederseifersdorf - Bramsche I 0:0, Rüsselsheim - Bramsche II 0:4, Düsseldorf - Bischberg 0:7.

Sonntag:

Gaustadt - Düsseldorf 4:0, Jänkendorf - Bischberg 2:3, Rüsselsheim - Niederseifersdorf 0:1, Bramsche II - Hamburg 1:1, Gaustadt - Jänkendorf 0:1, Bramsche I - Bischberg 1:1, Bramsche II - Niederseifersdorf 1:1, Rüsselsheim - Düsseldorf 3:1, Bramsche I - Hamburg 0:4, Bischberg - Niederseifersdorf 1:1, Bramsche II - Jänkendorf 1:0, Rüsselsheim - Hamburg 3:1, Gaustadt - Bramsche I 2:1.
Endstand: 1. Bramsche II 20 Punkte/15:4 Tore, 2. Hamburg 19/18:5, 3. Rüsselsheim 16/12:9, 4. Gaustadt 12/14:12, 5. Jänkendorf 10/12:9, 6. Niederseifersdorf 10/9:9, 7. Bischberg 9/13:8, 8. Bramsche I 3/4:14, 9. Düsseldorf 1/2:29.
 

 

 
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